Weinbau im Domleschg – Rückkehr einer Tradition

29. Oktober 2012
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Das Sonnental Domleschg gilt als der Obstgarten Graubündens. Wen wundert es da noch, daß es einst – und heute wieder – eine Gegend für Weinbau darstellt? Flurnamen weisen auf die Weinbautradition im Domleschg auch gegenwärtig noch hin.

Wußten Sie, daß sich im Domleschg der höchstgelegene Weinberg Graubündens befindet? Und daß Beamte das Wiederaufleben der Weinbautradition im Domleschg aktiv verhindern? Es ist nur Anbau für den Eigenbedarf erlaubt. So weit hat man es mit der Bürokratie gebracht, so reglementiert ist die Schweiz. Man darf auf seinem eigenen Land nicht mal mehr anbauen, was man will.

Der Inhaber von KaffiSchopp.de jedenfalls hat zum Weinbau im Domleschg einen sehr interessanten Beitrag veröffentlicht, den wir hier mit freundlicher Genehmigung wiedergeben dürfen:

Von Johannes Lacker

Eine ziemlich unbekannte, da nicht offizielle Weinbauregion der Schweiz ist das Domleschg im Kanton Graubünden. Das Domleschg liegt zwischen Boden- und Comersee. Durch das milde Klima und die geringen Niederschläge eignet es sich ideal für den Anbau von Reben. Allerdings wurde nur bis Anfang des 20. Jahrhunderts in diesem bündner Nord-Südtal Weinbau betrieben. Danach verschwand der Weinbau aus dem Tal.

Blick über das Domleschg nach Süden Richtung Viamala

Blick über das Domleschg nach Süden Richtung Viamala (Foto: Kaffi-Schopp.de)

Seit 1989 jedoch erlebt der Weinbau im Domleschg seine Wiedergeburt. Der erste “neue” Rebberg gehörte zum Kurhaus Rothenbrunnen, oberhalb des Schlosses Rietberg.

Im höchstgelegenen Weinberg Graubündens (auf zk. 800 m. ü.M.) werden Müller-Thurgau, “Pinot gris” Blauburgunder und “Léon Millot” angebaut.

Unzählige Flurnamen im Tal weisen auf ein frühere Weinbautradition hin. Heute kämpfen verschiedene Initiatoren für den Wiederaufbau der Rebberg-Einzonungen.

Mit einem dieser Domleschger Weinbauern konnte ich vor kurzem ein längeres Gespräch führen. Mit Johannes Buchli aus Fürstenaubruck verbindet mich eine lange Freundschaft, die ich seit Anfang der 1990er Jahre pflege.

Im Gespräch mit Hannes Buchli

KaffiSchopp [KS]: Hallo Hannes, Du produzierst im eigenen kleinen Rebgarten Wein. Welche Reben baust Du an?

Johannes Buchli [JB]: Die zwei Sorten heißen “Leon Millot” und “Muscat bleu”, zwei Rotweine.

Das Gespräch und der Beitrag, den Sie hier lesen, stammt von der deutchen Webseite www.Kaffi-Schopp.de

Das Gespräch mit Johannes Buchli und der Einleitungsbeitrag, stammt von der deutchen Webseite www.Kaffi-Schopp.de

[KS]: Wie bist Du darauf gekommen, quasi im Garten Wein anzubauen?

[JB]: Eigentlich hat mich mein Bruder 1996 dazu gebracht. Nach einigen gemeinsamen Jahren haben wir uns aber später, weil wir unterschiedliche Ideen in Sachen Weinausbau hatten, getrennt. Nun kümmere ich mich allein um den Wein, wobei mich meine Frau und meine Söhne tatkräftig unterstützen. Nachdem ich alleinverantwortlich für unseren Rebgarten war, habe ich neben den bestehenden blauen Muscat-Rebstöcken noch “Leon Millot” angepflanzt.

[KS] Wie habt Ihr angefangen?

[JB] Zuerst wollten wir einen Spalierbau betreiben. Nachdem ich einen Kurs bei einer Landwirtschaftsschule besucht hatte, bin ich von dieser Idee abgekommen. Es hatte gut Platz zwischen den bestehenden Pflanzen. Insgesamt sind es jetzt ca. 150 Rebstöcke, die am Hang hinter meinem Elternhaus stehen.

Entwicklung

[KS] Welche Erfahrungen, welche Entwicklung habt Ihr mit Eurem Wein in den letzten Jahren gemacht?

[JB] Seit 2004 mache ich zusammen mit meiner Frau Tanja Wein. Dies ist mit viel Idealismus verbunden. Vom ersten eigenen Wein hatte ich zwar selbst eine  hohe Meinung, dabei war er wirklich nicht das “Gelbe vom Ei”. In vielen Gesprächen habe ich immer wieder dazu gelernt. Vor allem zwei Freunde, die in der Bündner Herrschaft Winzer sind, haben mir mit ihrem Wissen sehr geholfen.

So sind wir immer besser geworden. Manchmal verlief etwas nicht optimal aber auch das bringt einen weiter. Aus Fehlern lernt man und ich lerne täglich dazu, wenn ich mich mit dem Wein beschäftige.

[KS] Baut Ihr den Wein nur an oder keltert Ihr ihn auch selbst?

[JB] Die wenigsten “Winzer” im Domleschg machen selber Wein. Die meisten bringen das Traubengut einem Profi-Winzer. Anschließend verkaufen sie dann “ihren” Wein. Es gibt aber einige wenige (und zu diesen zähle ich mich auch), welche das Weinmachen selbst in die Hand nehmen.

Ich sehe das Weinmachen vor allem als Hobby, welches ich auf diese Weise das ganze Jahr betreiben kann. Einerseits ist in der warmen Zeit ein 1A- Traubengut das Ziel. Im Winter geht’s dann im Keller weiter. So habe ich abschließend ein Produkt, welches ich getrost als mein eigenes bezeichnen kann.

[KS] Wie bildest Du Dich weiter?

[JB] Neben den erwähnten Gesprächen mit meinen Freunden werde ich in diesem Herbst erneut einen Kurs besuchen, bei dem ich via Schulbank und Praxis sehen kann, wie die Profis Wein machen. Natürlich bin ich sehr gespannt, was ich nachher in meiner Weinproduktion alles umstellen werde.

Weinbauregion Domleschg

[KS] Das Domleschg ist nun keine sehr bekannte Weinbauregion. Im Kanton Graubünden kennt man zwar die Weine der Bündner Herrschaft, aber vom Domleschg haben sicherlich die wenigsten bisher gehört. Kannst Du den Blog-Lesern etwas über den Weinbau im Domleschg erzählen?

[JB] Obwohl sonst überall freie Marktwirtschaft herrscht, ist die Winzerei in der Schweiz stark reglementiert. So sind im Bündnerland die anerkannten Rebflächen vor allem in der Bündner Herrschaft und in der Gegend von Chur anzutreffen. Wir im Domleschg dürfen nur für den Eigengebrauch Trauben anbauen. Dafür dürfen wir 4 Aren (10 auf 40 Meter) aufwenden. Und da unser Wein für den Eigengebrauch gedacht ist, darf er nicht “offiziell” verkauft werden.

[KS] Nun konnte ich bei Dir diverse Weine, rot wie weiß, verkosten. Würdest Du sie uns kurz vorstellen?

[JB] Die Weißweine stammten von:

  • Rudolf Künzler aus Sils im Domleschg – ein Weißwein aus der Bouvier-Traube (sehr rare Sorte in der Schweiz)
  • Luzi Mark aus Scharans, ein Grauburgunder
  • Rudolf von Planta, Gut Canova Paspels, ein Riesling-Silvaner bzw. Müller-Thurgau
  • Herrn Christian Castelmur aus Tomils, ein Riesling-Silvaner bzw. Müller-Thurgau
  • Andreas Marugg vom Kurhaus Rothenbrunnen, ein Riesling-Silvaner bzw. Müller-Thurgau

Die Rotweine waren von:

  • Luzi Mark aus Scharans, ein Blauburgunder bzw. “Pinot Noir”
  • Emanuel Mark aus Rietberg / Rhäzüns, ein Regent (eher seltene Sorte hier bei uns)
  • Marlies Curau aus Tomils, ein Blauburgunder bzw. “Pinot Noir”
  • Andreas Marugg vom Kurhaus Rothenrunnen, ein Blauburgunder bzw. “Pinot Noir”

Zwei Weine bzw. Jahrgänge waren dann noch von mir. Dies waren jeweils meine “Leon Millot” und “Muscat bleu” – Reben.

[KS]: Hannes, Dir und Deinen Reben weiterhin eine gute Entwicklung unter der warmen Bündner Sonne! Vielen Dank für das Gespräch.

(Erstveröffentlichung auf KaffiSchopp.de im Oktober 2010)

* * *

Weitere Informationen zum Weinbau im Domleschg gibt es über:

Reb- und Weinbauverein Domleschg
Pradasetga 308
CH-7417 Paspels
Tel: +41 81 655 17 71
Rudolf.Kuentzel@bluewin.ch

Sollten Sie Ihren nächsten Eidgenießer-Urlaub in Graubünden verbringen, ist das Domleschg auf jeden Fall einen Besuch wert, schreibt der Inhaber der deutschen Seite Kaffi-Schopp.de weiter.

Kaffi-Schopp ist übrigens eine beherzte Eindeutschung von Denglisch. Wer heute nochmal lachen möchte, der klicke hier.

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