Rothenbrunnen: Verpaßte Gelegenheiten im Domleschg

Marketingtechnischer und touristischer Selbstmord: So sieht heute die Mineralquelle des einstigend domleschger Badekurorts Rothenbrunnen aus. Die Gemeinde Rothenbrunnen hat die ihr namensgebende Heilquelle in den letzten Jahrzehnten systematisch vergewaltigt und dem Mammon geopfert. Ob es sich gelohnt hat? (Bild "Heil- und Mineralquelle": Gemeinde Rothenbrunnen)

Marketingtechnischer und touristischer Selbstmord: So sieht heute die Mineralquelle des einstigend domleschger Badekurorts Rothenbrunnen aus. Die Gemeinde Rothenbrunnen hat die ihr namensgebende Heilquelle in den letzten Jahrzehnten systematisch vergewaltigt und dem Mammon geopfert. Ob es sich gelohnt hat? (Bild „Heil- und Mineralquelle“: Gemeinde Rothenbrunnen)

Abstoßend häßliche Industriebaute in der Landschaft anstatt Kurhausbetrieb mit blühendem Tourismus und eigene Abfüllung von Mineralwasser. 

Rhäzüns ist nicht zuletzt wegen seines Mineralwassers schweizweit bekannt. Rothenbrunnen könnte nicht nur wegen Mineralwasser, sondern auch als Kur- und Badeort bekannt sein.

Hätten Sie´s gewußt?

Das Domleschg hatte mal einen Badekurort und eine Heilquelle. Denn die Gemeinde Rothenbrunnen war früher solch ein bekannter Badekurort mit einer solchen Heilquelle.

Die der Gemeinde ihren Namen gebende rote Quelle („fontana rossa“) wurde schon im 17. Jahrhundert von Forschern als gesundheitsfördernd tituliert.

Schließlich wurde die Heilquelle von Rothenbrunnen ab 1888 im Kurhaus für Badekuren genutzt, nachdem der naheliegende Bau eines Kurhauses umgesetzt worden war.

In den Folgejahren blühte Geschäft mit Kurgästen, die aus nah und fern nach Rothenbrunnen pilgerten, um die Vorzüge des roten, jod- und eisenhaltigen Wassers zu genießen.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ging der Kurbetrieb jedoch ein, erfährt man auf der Webseite der Gemeinde. Zu den Gründen wurde nichts genannt. Vermutlich eine Ursache mit dürfte die Weltwirtschaftskrise gewesen sein oder auch ausbleibende Kurgäste wegen Krieg im Ausland.

Ein Teilbild der an Häßlichkeit kaum zu überbietenden Abfüllanlage des Rhäzünser Mineralwassers. Die Gemeinde Rothenbrunnen hat weder sich selbst noch dem Namen Rhäzüns einen Gefallen getan, indem sie ihre namensgebende Heil- und Mineralquelle für Geld vergewaltigen ließ. Bild: Gemeinde Rothenbrunnen.

Ein Teilbild der an Häßlichkeit kaum zu überbietenden Abfüllanlage des Rhäzünser Mineralwassers. Die Gemeinde Rothenbrunnen hat weder sich selbst noch dem Namen Rhäzüns einen Gefallen getan, indem sie ihre namensgebende Heil- und Mineralquelle für Geld vergewaltigen ließ. Bild: Gemeinde Rothenbrunnen.

Potential zerschlissen zwischen Passugg und Rhäzüns

In den fünfziger Jahren übernahm die Firma Passugger die Nutzungsrechte an der Quelle, ohne sie vorerst zu erschließen.

Im Jahre 1979 ging die Gemeinde Rothenbrunnen mit der Passugger einen Quellkonzessionsvertrag ein. Die rote Quelle – mit einer Quellschüttung von 170 Litern in der Minute – wurde neu gefaßt und mit der Abfüllanlage in Rhäzüns verbunden.

Spielball der Globalisierung

Bis zum Jahre 1995 verwendete die Rhäzünser Mineralquelle das Wasser aus Rothenbrunnen einfach für die Herstellung von Süßwasser aller Art. 1995 erteilte der Großverteiler Coop der Mineralquelle Rhäzüns einen Abfüllauftrag für die Eigenmarke Swiss Alpina.

Abstoßende Häßlichkeit

Überall gibt es strengste Bauauflagen gegen Landschaftsverschandelung.

Swiss Alpina-Mineralwasser (Bild: Gemeinde Rothenbrunnen): Wer gegen übelste Landschaftsverschandelungen ist, sollte weder dieses Mineral noch das Rhäzünser Mineralwasser kaufen.

Swiss Alpina-Mineralwasser (Bild: Gemeinde Rothenbrunnen): Wer gegen übelste Landschaftsverschandelungen ist, sollte weder dieses Mineral noch das Rhäzünser Mineralwasser kaufen.

Doch damals wurde der abscheulich häßliche Bau der Rhäzünser Mineralquellen unter Investition von Millionengeldern geschaffen. Jeder, der einmal daran vorbeigefahren ist, dem vergeht der Appetit auf Rhäzünser Mineralwasser gänzlich. Wenigstens ein paar Bäume hätte man pflanzen können, umd die an Häßlichkeit kaum mehr zu übertreffende Baute ein wenig zu verdecken. (die Häßlichkeit scheint kein Zufall: Schon die Quellen des Passugger Mineralwasser wurden mit einem abstoßend scheußlichen Bau versehen)

Die Feldschlößchen-Gruppe – seit 1998 Erwerberin der Mehrheitsbeteiligung an der Passugger Heilquelle und somit auch an der Mineralquelle Rhäzüns – und Coop verlängerten 2001 ihren Zusammenarbeitsvertrag für die Herstellung von Swiss Alpina um mehrere Jahre.

Wenn man die Industriebaute der Rhäzünser Mineralquellen, die nun auch das Wasser der Heil- und Mineralquelle von Rothenbrunnen verarbeiten, ansieht, dann denkt man: Wo waren dort die verantwortlichen Personen für Landschaftsschutz? Gab es noch keinen Heimatschutz-Verein?

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