Spital Thusis: Mögliche Nachzahlungen von 1.5 Mio. Franken drohen

21. Juni 2013
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Spital Thusis (Foto: Spital24.ch)

Spital Thusis (Foto: Spital24.ch)

Die ordentliche Delegiertenversammlung des Spitals Thusis wurde erstmals durch den neuen Präsidenten der Betriebs-Kommission, Roland Weber, geleitet. Sie stand im Zeichen der Auswirkungen der neuen Spitalfinanzierung.

Das Jahr 2012 war aber in jeder Beziehung speziell, so das Spital in einer Mitteilung des Direktors.

Das 100-jährige Bestehen wurde in verschiedenen Anlässen gebührend gefeiert. Der Name Krankenhaus Thusis wurde in das umgangssprachlich längst verwendete Spital Thusis korrigiert. Dazu wurde dem Spital ein neues frisches Erscheinungsbild verpaßt.

Die Jahresrechnung weist ein Defizit zu Lasten der Trägergemeinden von Fr. 271‘374.52 aus. Im Vorjahr betrug der Fehlbetrag noch Fr. 1‘149‘166.78. Doch diese Zahlen sind nicht vergleichbar. Neu müssen sich die Gemeinden mit Fallbeiträgen an allen stationären Aufenthalten ihrer Einwohnerinnen und Einwohner in der Schweiz beteiligen.

Dies macht für die Spitalregion Thusis zk. 1,5 Mio. Franken aus. Dazu kommen noch zk. Fr. 150‘000.- für Gemeinwirtschaftliche Leistungen. Insgesamt beträgt der Gemeindeanteil also etwas mehr als 1.9 Mio. Franken. Darin inbegriffen sind Zahlungen für die zukünftigen Investitionen.

Spitaldirektor Reto Keller informierte die Delegierten über die Auswirkungen der neuen Spitalfinanzierung und über den aktuellen Stand der Tarifsituation. Für alle Beteiligten sehr mühsam ist die Tatsache, daß die Tarife für das Jahr 2012 immer noch nicht definitiv sind. So könnten schlimmstenfalls Nachzahlungen von 1.5 Mio. Franken entstehen, welche die Trägergemeinden zusätzlich tragen müßten. Nach der definitiven Festsetzung der Bündner Regierung drohen langwierige Gerichtsverhandlungen.

Die Krankenversicherer beharren auf einem alten Verordnungsartikel, der immer noch auf der Kostensicht beruht. Die neue Finanzierung soll aber eine Leistungsabgeltung sein. Für gleiche Leistungen sollen gleiche Preise gelten.

Das Spital Thusis soll gemäß Interpretation der Krankenversicherer für einen Blinddarm beispielsweise deutlich weniger erhalten als ein vergleichbares Spital im Kanton. Dies darum, weil die Fallkosten im Jahr 2010 im Spital Thusis deutlich tiefer waren als in anderen Bündner Spitälern.

Man wird also bestraft für die wirtschaftliche Führung des Spitals. Viele Kantone haben glücklicherweise entsprechende Entscheide getroffen, die die Anwendung dieses veralteten Verordnungsartikels ablehnen. Es bleibt zu hoffen, daß das Bundesverwaltungsgericht ebenfalls so entscheiden wird. Bis zum endgültigen Entscheid gibt es eine grosse Planungsunsicherheit für das Spital Thusis, folglich aber auch für die Trägergemeinden.

Das Spital Thusis investierte im 2012 insgesamt Fr. 897‘373.61 in verschiedenste Projekte. Im neuen Finanzierungssystem werden Investitionsbeiträge über den Tarif vergütet. Für das laufende Jahr sind Investitionsvorhaben von zk. Fr. 865‘000.- geplant.
Weiter standen auch noch ausserordentliche Wahlen an. Für den demissionierenden Franz Bütler wurde der Thusner Gemeinderat Curdin Capaul neu in die Betriebskommission gewählt. Der Abtretende wurde für die 9-jährige Tätigkeit in der Betriebs-Kommission gewürdigt.
Zum Abschluß wurden die Delegierten über die sehr gut gestarteten Kooperationen informiert. Die Praxisgemeinschaft Thusis ist seit über einem Jahr im Spital Thusis eingemietet, die Zusammenarbeit hat sich bestens bewährt. Dank der Kooperation mit dem Kantonsspital Chur werden die Fachgebiete Onkologie (Domleschg24 berichtete) und Gastroenterologie (Domleschg24 berichtete) seit dem Frühjahr 2013 konsiliarisch angeboten.
Bereits seit Oktober 2012 ist der Kardiologe Dr.med. Jan Signorell wöchentlich im Spital Thusis tätig. Alle Dienstleistungen werden bereits rege genutzt.
Präsident Roland Weber schloß die zügig durchgeführte Delegiertenversammlung pünktlich ab und lud die Delegierten zum Apéro ein, an welcher die Folgen der Spitalfinanzierung weiter rege diskutiert wurden.
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