Rothenbrunnen: Polenweg ab 1. Oktober gesperrt – bis 15. Dezember

Aufgrund  von Bauarbeiten für den Anschluß der Abwasser-Entsorgung Feldis an die ARA Waldau bleibt der Polenweg vom 1. Oktober bis 15. Dezember 2012 gesperrt.

Die Umleitung erfolgt über den Schützenweg.

Wissen:

Woher kommt eigentlich der Name „Polenweg“?

Nach der Niederlage der polnischen Armee 1939 flohen tausende polnische Militärangehörige ins Ausland. Zielpunkt war insbesondere auch Frankreich, wo sie sich einer neugebildeten Exilarmee unter französischer Führung anschlossen. Nach dem Angriff Deutschlands auf Frankreich blieb den Soldaten am Schluß nur der Rückzug. Und so überquerten in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1940 rund 50’000 Soldaten im Neuenburger Jura die Schweizer Grenze.

 Foto: www.Muzeum-Polskie.org

Foto: www.Muzeum-Polskie.org

Nachdem die polnischen Soldaten vom Nachschub abgeschnitten waren, überschritten am 19. und 20. Juni 1940 12’000 bis 13’000 polnische Soldaten der 2. Schützendivision südlich der Ajoie die Schweizer Grenze, um der Gefangennahme zu entgehen.

Rund 13’000 polnische Soldaten fanden 1940 Zuflucht in der Schweiz. Sie wurden in der Schweiz gemäß der Haager Konvention interniert. Heute würde es vermutlich als Verstoß gegen Menschenrechte gelten, daß jemand arbeiten muß und als inhuman, aber die bis Kriegsende internierten Polen hinterließen nicht zuletzt auch dank ihres Arbeitseinsatzes bis heute sichtbare Spuren.

Nachdem die Soldaten ihre Waffen und Munition abgegeben hatten, fanden sie vorerst in den Internierungsregionen Napf sowie Berner Oberland und Seeland Unterkunft. Der Versuch, die Internierten auf wenige Lager zusammenzuziehen, erwies sich als psychologisch schlecht. Der gescheiterte Versuch der konzentrierten Internierung führte 1941 zu einer Dezentralisierung in mehrere Internierungsabschnitte. Diese bestanden aus diversen Stammlagern und diese wiederum aus diversen Arbeitslagern.

Die polnischen Soldaten wurden von der Schweizer Bevölkerung sehr herzlich begrüßt, was der Schweizer Armeeleitung nicht behagte. Es wurde denn auch von Beginn weg versucht, die Kontakte zwischen den Internierten und der Bevölkerung soweit wie möglich zu unterbinden. Die diesbezüglichen Versuche scheiterten jedoch zumeist. Insbesondere der aufgrund der Farbe des Papiers so genannte Orange-Befehl vom 1. November 1941 erwies sich als ebenso psychologisch kontraproduktiv wie realitätsfremd, vor allem auch was das darin statuierte Eheverbot anbelangte.

Die internierten Polen leisteten vorwiegend gruppenweise Arbeitseinsätze für die Landesverteidigung, die Infrastruktur (Straßen- und Brückenbau, Trockenlegung von Sümpfen und Riedland) sowie in der Landwirtschaft. Insgesamt wurden 450 Kilometer Wege, Brücken und Kanäle gebaut.

Im der ganzen Schweiz erinnern Denkmäler und Gedenktafeln an den unfreiwilligen Aufenthalt der internierten Polen. Nach Kriegsende ließen sich 500 Polen in der Schweiz nieder (die Bedingungen für einer Niederlassung in der Schweiz waren nicht ansatzweise vergleichbar mit den heutigen…) und später das Bürgerrecht zu erhalten.

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