Pikante Fotofallen nach Wolfabschuß im Domleschg: Bewegungsmelder erfassen auch Menschen

13. März 2014
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Im Einzugsgebiet der Calandawölfe sollen Fotofallen aufgestellt werden, so das Amt für Jagd und Fischerei.  (Domleschg24.ch berichtete gestern). Doch diese sind datenschutzrechtlich bedenklich.

Das vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden als Medienfoto zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine gut erkennbare Fotofalle. Es ist kaum anzunehmen, daß Fotofallen auch im Einsatz so derart sichtbar montiert werden.

Das vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden als Medienfoto zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine gut erkennbare Fotofalle. Es ist kaum anzunehmen, daß Fotofallen auch im Einsatz so derart sichtbar montiert werden.

Recherchen von Domleschg24.ch ergeben, daß der rechtliche Rahmen für diese Fotofallen, die auch Menschen fotografieren können, äußert heikel erscheint.

Bzw. offenbar gar nicht gegeben ist.

Der Bundesrat will zudem gegenwärtig sogar die Fotofallen verbieten.

Denn es gibt starke datenschutzrechtliche Bedenken.

Auch ahnungslose Spaziergänger und Wanderer und Freizeitsportler werden von den Bewegungsmeldern der umstrittenen Fotoskameras erfaßt und fotografisch festgehalten. 

So etwa auch, wenn ein ahnungsloses Liebespaar sich im Wald küßt (oder möglicherweise noch inniger wird).

Das ist für die Betrachter der Fotoaufnahmen möglicherweise recht spannend, aber für die heimlich und ahnungslos Fotografierten sicher nicht schön. Auch, wenn sie es nie erfahren, schließlich haben die wenigsten Leute beim Spazieren oder Wandern ein Schild mit ihrem Namen umhängen, sodaß man sie selbst, wenn man wollte, gar nicht informieren könnte über pikante oder weniger pikante heimliche Fotoaufnahmen.

Die Regierung hat daher Bedenken wegen des Datenschutzes. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) arbeitet gerade im Auftrag des Bundesrats ein Verbot für Fotofallen ausarbeiten.

Wer rechnet bei einer Wanderung im Domleschg, abseits der normalen Wege heimlich fotografiert zu werden? Dies könnte noch zu Reden geben.

Wer rechnet bei einer Wanderung im Domleschg, abseits der normalen Wege heimlich fotografiert zu werden? Dies könnte noch zu Reden geben.

Der Bundesrat habe dem BAFU den Auftrag gegeben, den Einsatz von Fotofallen so weit wie möglich zu verbieten, äußerte Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd, erst am 24. Februar in der Sendung “Heute Morgen” des staatlichen Radiosenders SRF.

Denn die Fotos könnten aus Sicht des Datenschutzes “sehr, sehr heikel” sein. “Es ist nicht auszuschließen, daß mit diesen Fotofallen auch Menschen fotografiert werden. Und wir haben keine Kontrolle darüber.”

Die durch Bewegungsmelder ausgelösten Kameras sind gemäß Staatsradio SRF für wenig Geld erhältlich und senden sogar Bilder an Mobiltelefone oder andere Empfangsgeräte der Besitzer.

Die Wildforschung allerdings möchte der Bundesrat, der auf eine Anfrage des Parlaments reagierte, ausnehmen vom Fotofallen-Verbot.

Dennoch ist es natürlich heikel, wenn man nun das Gefühl haben muß, beim Wandern möglicherweise fotografiert werden zu können.

Pikanter Eingriff in die Privatsphäre

In Kärnten (AT) wurde 2012 ein Kommunalpolitiker beim Sex von einer heimlichen Fotofalle aufgenommen.

Kurze Zeit später tappte sogar ein Jäger in Hessen (DE) ein Jäger außerhalb seines eigenen Jagdreviers in die Fotofalle eines Kontrahenten. Das heimlich ohne Wissen des Fotogafierten aufgenommene Foto sorgte anschließend an Stammtischen und anderswo für Heiterkeit. Weniger heiter fand es verständlicherweise der Betroffene. Der Mann wehrte sich juristisch. Es wurden daraufhin in Hessen sämtliche Fotofallen abgeschaltet.

Eidgenössischer Datenschutzbeauftragte alarmiert

Eine Privatperson aus Basel wurde in einem Fall von Fotofallen an den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten verwiesen.

Wenn eine Privatperson im öffentlichen Raum eine Fotofalle aufstellt und dabei Personen aufgenommen werden, ist es ein klarer Verstoß gegen den Datenschutz“, so Eliane Schmid, Sprecherin des eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, und: “Wer solche Aufnahmen macht, muß damit rechnen, vor Gericht belangt zu werden“, so äußert sie bereits gegenüber der BaZ vom Herbst 2012 weiter.

Behörden allerdings stehen auf dem Standpunkt, sie seien keine Privatpersonen und dürften Fotofallen einfach aufstellen. Auf diese Ansicht beruft sich auch das baselbieter Amt für Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesen, das mit 25 Fotofallen den Luchs beobachtet.

Keinerlei gesetzliche Grundlage

Das Problem: Weder im nationalen noch im kantonalen Jagdgesetz gibt es irgendwelche Regelungen über heimliche Fotofallen. “Wie das datenschutzrechtlich definiert wird, entzieht sich meiner Kenntnis“, gibt der baselbieter Amtsleiter Bloch zu und führt aus, man würde die Fotofallen an Stellen platzieren, wo sich kaum ein Spaziergänger hin verirren würde.

Also genau an solchen Stellen, wo etwa – wie in den pikanten obigen Fällen – erst recht niemand mit rechnet, aufgenommen zu werden. Bei Schäferstünden in der Wildnis etwa …

In Deutschland gibt es übrigens seit den jüngsten Vorfällen inzwischen strikteste Vorschriften für das ausnahmsweise Aufstellen von Fotofallen…

 

 

 

 

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