Linard Bardill: Scharanser Kultur-Schaffender an der Keller-Bühne in St. Gallen

26. Oktober 2012
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Wer noch nicht weiß, was er heute abend oder am morgigen Samstagabend machen soll, könnte mit dem Zug oder Auto nach St. Gallen fahren und sich einen Auftritt des scharanser Kulturschaffenden Linard Bardill ansehen. Er tritt mit “Der kleine Buddha” jeweils um 20 Uhr an der Kellerbühne in St. Gallen auf.

Seit vier Jahren schreibt Bardill Kolumnen für die Coopzeitung. Über das Wetter, den Blick aus seinem Fenster, seine Erfahrungen auf der Bühne, Politik.

Das größte Echo aber hat er, wenn er über den «kleinen Buddha» schreibt, seinen Sohn Liun mit Trisomie 21. Liun macht sein Leben anstrengend, weise und reich.

Aus dem Programm der Kellerbühne St. Gallen

Aus dem Programm der Kellerbühne St. Gallen

Diese Texte haben inzwischen Kultstatus erlangt. Sie sind so nachgefragt, daß der Limmat-Verlag ein Buch mit den 1.100-Anschläge-Perlen herausgegeben hat. Es versammelt die Kleine-Buddha-Welt von Linard Bardill.

Die Kolumnen erzählen aus dem Leben mit dem kleinen Liun, der radikal im Jetzt lebt und das Leben mit großen Momenten beschenkt. Die Gedichte sind seit der Geburt des Kindes entstanden und widerspiegeln den kleinen Kosmos poetisch.

Aus diesem reichhaltigen Material hat Bardill ein Bühnenprogramm gestaltet. Er erzählt und singt vom kleinen Buddha und den köstlichen Dingen, die mit ihm zusammenhängen, wie das pralle Leben, der Kosmos, der Tod, das Überhaupt und ach ja, fast hätten wir es vergessen: die Liebe.

Die dem Buch beigelegte CD – eine Mischung aus Musik-CD und Hörbuch und aufgenommen bei Linard Bardill am Küchentisch – ist persönlich, lebenstief und klein-Buddha-weise.

Auf der Tournee wird Linard Bardill am Baß begleitet von Bruno Brandenberger.

Der neue Bluttest für Trisomie 21 (auch umstrittenerweise "Down-Syndrom" genannt) hat die Debatte um ethische Fragen erneut angeheizt (Bild: www.Genlabor.ch)

Der neue Bluttest für Trisomie 21 (auch umstrittenerweise “Down-Syndrom” genannt) hat die Debatte um ethische Fragen erneut angeheizt (Bild: www.Genlabor.ch)

Gentest heizt Ethik-Debatte an

95 Prozent aller ungeborenen Kinder, bei denen Trisomie-21 festgestellt wird, werden in der Schweiz abgetrieben, in manchen Fällen auch noch in der dreißigsten Schwangerschaftswoche.

Durch neue, für die Frauen ungefährliche Bluttests, mit denen Trisomie 21 beim ungeborenen Kind festgestellt werden kann, hat das Thema nochmals eine neue Dimension gewonnen.

Die Frage nach wertem oder unwertem Leben hat sich verschärft. Der CVP-Politiker Jaques Neirynck etwa fordert öffentlich Zwangsgentests für alle neugeborenen bzw. noch nicht geborenen Bebes in der Schweiz.

Das deutsche Biotechnologie-Unternehmen mit dem häßlichen globalesischen Namen Lifekodexx hat den Gentest für die Früherkennung von Trisomie 21 bei Föten auf dem Markt von Deutschland, Österreich der Schweiz und Liechtenstein lanciert. In den USA hatte das Unternehmen die Zulassung schon früher erhalten.

Der Bluttest wird in deutschsprachigen Ländern unter dem Namen Praena-Test vermarktet.

Auf seiner Webseite schreibt Linard Bardill dazu seine Meinung: “Die neueste medizintechnische Errungenschaft, mit deren Hilfe ab der 12. Schwangerschaftswoche pränatal festgestellt werden kann, ob ein Kind mit Trisomie 21 geboren werden will, halten wir für zwiespältig und lebensfeindlich.”

Linard Bardill, geboren 1956 in Chur. Nach der Matura per Autostopp nach Indien, danach Theologiestudium. Ab 1986 folgen bis heute Bühnenprogramme, CDs, Bücher und Tourneen in Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Rhätoromanisch für Kinder (z. B. «Der Beltrametti schlürft Spaghetti») und Erwachsene («Labyrinth», «Han di Gära wie du wirsch»).

Vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Salzburger Stier. Im Limmat-Verlag (er schreibt sich selbst mit einem sog. “Deppen Leer Zeichen“) ist der Band «Aufs Leben los. Literarisches Allerlei» lieferbar. Linard Bardill hat fünf Kinder und lebt in Scharans.

Auszug aus “Der kleine Buddha”

Bildschirmfotoausriß: Coop-Zeitung über "Der kleine Buddha" von Linard Bardill (Bild anklicken zum Vergrößern)

Bildschirmfotoausriß: Coop-Zeitung über “Der kleine Buddha” von Linard Bardill (Bild anklicken zum Vergrößern)

Mein kleiner Buddha kennt den Garten wie keiner sonst. Er kennt die Käfer und die Blumen, er weiß mit dem Sand im Sandkasten umzugehen, er kennt die Vögel und die Schmetterlinge und vor allem den Zwetschgenbaum.

Auf dem Zwetschgenbaum prangt ein Meer von Blüten im Frühling, und wenn der Wind kommt steht er im Blütenregen und hascht nach ihnen.

Später kommen die Maikäfer mit ihren Federfühlern. Im Herbst fallen die Früchte von den Bäumen und hinterlassen auf seiner Hose das Bild einer Zwetschgen-Pätschwörk-Familie. Im Winter steht er unter dem Baum, zieht an einem Ast und läßt sich den Schnee in den Nacken fallen.

Mehr auf der Webseite der Kellerbühne St. Gallen

Hintergrund zur Krankheit Trisomie (Wikipedia)

Der englische Neurologe und Apotheker John Langdon-Down beschrieb das nach ihm benannte Down-Syndrom 1866 zum ersten mal wissenschaftlich als eigenständiges, von anderen Erkrankungen und Behinderungen abgrenzbares Syndrom.

Langdon-Down selbst bezeichnete es als mongoloide Idiotie und prägte damit die Begriffe des Mongolismus und Mongoloide als Bezeichnung für seine Träger aufgrund ihrer rundlichen Gesichtsform und mandelförmigen Augen, was zu einer gewissen Ähnlichkeit mit Mongolen führt (der Begriff lehnt sich an die damals populäre Systematik einer mongoliden Rasse an, die nach Johann Friedrich Blumenbach an der Schädelform unterschieden werden kann).

„Idiot“ war seinerzeit in der Medizin und Psychologie ein Fachbegriff für Personen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen. Mit der Entwicklung von Intelligenztests wurde schließlich auch ab einem IQ von unter 20 von einem Idioten (im medizinischen Sinne) gesprochen.

Diese Bezeichnungen gelten jedoch heute als diskriminierend und werden auch in Fachkreisen nicht mehr verwendet. Ein zentraler Grund hierfür ist die Rücksichtnahme auf die Menschen aus der Mongolei: 1965 richtete die Mongolei an die WHO einen Antrag mit der Bitte, den Begriff Mongolian Idiocy (Mongolismus) und seine Ableitungen aufgrund der negativen sowie rassistischen Besetzung nicht mehr zu verwenden. Die WHO nahm diesen Antrag einstimmig an. Bereits 1961 hatte die renommierte britische Wissenschaftszeitschrift „The Lancet“ auf die Bitte einer internationalen Gruppe von 19 anerkannten Genetikern die Bezeichnung in „Down’s Syndrome“ abgeändert.

Erst 1959, 63 Jahre nach Langdon-Downs Tod, erkannte der französische Genetiker Jérôme Lejeune die genetische Ursache des Syndroms: Er entdeckte, daß jede Zelle der betroffenen Menschen 47 statt der üblichen 46 Chromosomen besaß, also bei einem Chromosom eine Verdreifachung (Trisomie) statt einer Verdoppelung vorliegen mußte.

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