Erstmals ausgeschriebener Hegepreis an Cazis

2. November 2012
By

Anfang Jahr forderte JagdSchweiz die rund 30‘000 Jäger auf, ihre Naturschutzprojekte für den erstmals ausgeschriebenen Hegepreis einzureichen.

Am Anfang gibt es Informationen über das Schutzgebiet. (Bild: Einsatz der Pro Natura im Munté=)

Am Anfang gibt es Informationen über das Schutzgebiet. (Bild: Einsatz der Pro Natura im Munté=)

Projekte zugunsten der Natur und Umwelt sind wichtiger Bestandteil der Jagd. Bis Ende Mai wurden 22 Dossiers aus allen Landesteilen an das Preisgericht übermittelt.

Sie zeigen die ganze Breite des jagdlichen Einsätze zugunsten der Natur: zum Beispiel Biotopverbesserungen, Schaffung oder Wiederherstellung von attraktiven Lebensräumen, Pflanzungen oder Pflege von seltenen Pflanzenarten.

2. Preis geht an Naturschutzgebiet Munté in Cazis

Der 2. Preis, dotiert mit 3‘000 Franken, geht an das Naturschutzgebiet Munté in Cazis: Das Naturschutzgebiet Munté ist in acht Abschnitten aufgeteilt.

1971 stellte der Kanton auf Ersuchen der Jäger, Vogelkundler und der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden die ersten fünf Abschnitte unter Schutz.

1988 wurde das Schutzgebiet auf die heutige Fläche erweitert. Auf Wunsch des Jägervereins Außerheinzenberg wurden ihm 1989 Unterhalt und Pflege der Abschnitte 1 bis 5 offiziell übertragen.

Die Jäger und Jagdkandidaten leisten jedes Jahr zwischen 300 und 500 Arbeitsstunden. Jedes Jahr finden Beobachtungstage und Führungen für Naturschutzinteressierte statt. Führungen sollen in Zukunft auch für Schulen angeboten werden, um der Jugend die Natur näher zu bringen.

Foto Naturschutzgebiet Munté: Generalbauunternehmung Toscano-Kolleger, Thusis (diese Firma nahm 2010 Wiederherstellungsarbeiten im Schutzgebiet vor)

Foto Naturschutzgebiet Munté: Generalbauunternehmung Toscano-Kolleger, Thusis (diese Firma nahm 2010 Wiederherstellungsarbeiten im Schutzgebiet vor)

Hintergrund Hegepreis von JagdSchweiz

Insgesamt wurden von allen Projekten mit einem Arbeitseinsatz von über 16‘000 Stunden und rund 400‘000 Franken gegen 60 ha (rund 50 Fußballfelder) Lebensraum für Pflanzen und Tiere aufgewertet. Insgesamt leistet die Jägerschaft jedes Jahr 260‘000 Stunden Freiwilligenarbeit im Gegenwert von rund 6.5 Mio Franken (Zahlen: 2011).

Das Preisgericht, bestehend aus Mirjam Ballmer, pro natura; Patrick Durand, Direktor ECOTEC environnement SA; Prof. Dr. Heinrich Haller, Direktor Schweizerischer Nationalpark; Dr. Andreas Moser, Biologe und Redaktor, NETZ NATUR SRF sowie Hanspeter Egli, Präsident JagdSchweiz, beurteilte die Projekte nach den Kriterien: Initiative und Beitrag der Jäger, Größe und Dauer, Auswirkungen auf die Wildtiere, Beteiligung der Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Besucher der Webseite von JagdSchweiz konnten die eingereichten Projekte im Internet beurteilen und ihre Stimme für einen Publikumspreis abgeben. Die Gewinner sind verpflichtet, das Preisgeld für die Weiterführung oder Weiterentwicklung des Projektes zu verwenden.

Foto Naturschutzgebiet Munté: Generalbauunternehmung Toscano-Kolleger, Thusis (diese Firma nahm 2010 Wiederherstellungsarbeiten im Schutzgebiet vor)Foto Naturschutzgebiet Munté: Generalbauunternehmung Toscano-Kolleger, Thusis (diese Firma nahm 2010 Wiederherstellungsarbeiten im Schutzgebiet vor)

Foto Naturschutzgebiet Munté: Generalbauunternehmung Toscano-Kolleger, Thusis (diese Firma nahm 2010 Wiederherstellungsarbeiten im Schutzgebiet vor)

Hintergrund Naturschutzgebiet Munté in Cazis

Das Reservat Munté liegt in unmittelbarer Nähe der Psychiatrischen Klinik Beverin in Cazis. Das Naturschutzgebiet ist Zeuge einer unglaublichen dynamischen Geschichte der Landschaft am Hinterrhein, die in knapp 200 Jahren von einer Natur- in eine Kulturlandschaft umgewandelt wurde. Wo einst Flußläufe, Kiesbänke und Auenwälder vorkamen, finden wir heute Landwirtschaftsflächen, Verkehrswege, Siedlungen und eben ein Naturschutzgebiet, ein Refugium für eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt in der Kulturlandschaft Domleschg.

Entstehung des Naturschutzreservates Munté

Mit viel Einsatz und der menschlichen Vernetzung wie Jägervereine, Ornithologen, Private, Verein für Vogelschutz Chur, Schulklassen, Lehrer, Naturschützer, um nur ein paar wenige zu nennen, gelang es ein gemeinsames Ziel zu erreichen und die Entstehung des Naturschutzreservates Munté zu realisieren. Nachdem die natürliche Wasserzufuhr vor allem im Sommer nicht gewährleistet war, fiel 1971 durch die Regierung der Entscheid, für Fr. 50’000.– eine Grundwasserpumpe mit einer Förderkapazität von 800 Liter die Minute, erstellen zu lassen.

Diese war 1972 betriebsbereit. Mangels fehlender Krediterteilung konnte aber die entsprechende Zuleitung zum Reservat vorerst nicht realisiert werden. Auch die Nutzung des Grundwassers fürs Reservat war vorläufig nicht möglich. In den Jahren 1973 bis 1975 wurden keinerlei bauliche und Unterhaltsarbeiten ausgeführt.

Weil der Nollabach während der Schneeschmelze und Regenfällen ungehindert “Nollaschlamm” in das Gebiet führte, verlandete das Gebiet Munté soweit, daß nur mehr kleine Flachwasserflächen vorhanden waren. Im Jahre 1976 intervenierten der Verein für Vogelschutz Chur, die Jägervereine Außerheinzenberg und Traversina sowie Ornithologen und Privatpersonen beim Kanton.

Sie machten bei der Kant. Psychiatrischen Klinik Beverin und beim Jagdinspektorat darauf aufmerksam, daß das Gebiet verlande, und somit seiner Zweckbestimmung nicht mehr dienen könne, woraufhin eine Kommission zur Erhaltung des Gebietes Munté bestimmt wurde.

Von da an nahm die Erhaltung des Reservates Munté konkrete Formen an. Die Geschichte des Naturschutz-Reservates wird in der Publikation eingehend dargestellt. Sie zeigt uns, wie die einzelnen Reservatsteile entstanden sind und bildet damit eine wichtige Grundlage für das Verständnis der gegenwärtigen Situation und für die Festlegung der künftigen Pflegemassnahmen.

Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Munté

Das Naturschutzgebiet Munté zeichnet sich aus durch eine Vielfalt von Lebensräumen. Vom Weiher bis zum Trockenstandort ist fast alles vorhanden. Fast alle diese Lebensräume sind einer Sukzession unterworfen. Das heisst, sie machen unter natürlichen Voraussetzungen einen steten Wandel durch, bis sie ein stabiles Endstadium erreicht haben. Man redet deshalb auch von dynamischen Lebensräumen. Wenn die grossräumige Dynamik fehlt und eine an sich unerwünschte Entwicklung einsetzt, so sind auch in Naturschutzgebieten Unterhalts- und Pflegemassnahmen notwendig. Auf Grund detaillierter Ziele wurde von einer Arbeitsgruppe für jede von 8 unterschiedlichen Flächen im Schutzgebiet die entsprechende Pflegemassnahme formuliert.

Unter anderem sind dies:

  • Mähen von Schilf und Gras
  • Entbuschen, Schaffen von Ruderalflächen (Kiesböden)
  • angepaßte Waldpflege
  • Reduktion von unerwünschten Pflanzen (Goldrute)
  • Sicherstellen des Wasserhaushaltes

Einzelne dieser Maßnahmen sind ein einziges Mal durchzuführen, andere können sich jährlich oder alle paar Jahre wiederholen. Die Pflege eines solchen Gebietes ist also eine Daueraufgabe. Verantwortlich für die Pflege sind gemäß Regierungsentscheid der Jägerverein Außerheinzenberg und die Pro Natura Graubünden. Die Arbeiten werden von Bund und Kanton finanziell unterstützt. Die Bedeutung des Naturschutzgebietes für Pflanzen und Tiere, welche auf solche Standorte angewiesen sind, ist in der insgesamt intensiv genutzten Talebene des Domleschgs sehr gross.

Die Vielfalt, welche in dem Gebiet steckt, wird in der Publikation “Reservat Munté:

Entstehungsgeschichte, Artenvielfalt und Pflege” deutlich zum Ausdruck gebracht. Es wird eindrücklich aufgezeigt, daß sich Artenvielfalt und Erhaltung gefährdeter Arten nur durch einen rücksichtsvollen und angepassten Umgang mit der Natur und Landschaft auf der ganzen Fläche ergeben. Wenn die Publikation über Munté ein wenig dazu beiträgt, daß das Verständnis für die Belange naturnaher Lebensräume, ihren Arten und ihrer Vernetzung in breiten Bevölkerungskreisen wächst, wäre das die größte Genugtuung für alle  am Projekt und an der Gestaltung des Gebietes beteiligten Personen.

(Quelle Naturschutzgebiet-Info: Gemeinde Cazis)

 

Share

Tags: , , , , , , , , , , ,





Kolummne

Südostschweiz-Methoden: Gegen ein neues (Konkurrenz)-Medium hetzen und das Angeprangerte selbst praktizieren

By

(von Remo Maßat) Wie extrem aggressiv bereits wenige Tage nach Ersterscheinen Jano Felice Pajarola (“Die Südostschweiz”) gegen Domleschg24.ch als neues kleines Lokalmedium vorging, darüber habe…

Weiter lesen

Eigenartiges Demokratie-Verständnis der Viamala-Tourismus-Funktionäre

By

(von Remo Maßat) Aufgrunddessen, daß die Vermarktung von Viamala-Tourismus nicht gerade im Ruf steht, eine erfolgreiche touristische und anderweitige Vermarktung darzustellen, setzen erfolgreiche Firmen und…

Weiter lesen

Einwohner-Entwicklung im Domleschg: Wachsende und schrumpfende Gemeinden – Tschappina auf dem letzten Platz

By

(Remo Maßat) Die Einwohnerentwicklung im Domleschg: Während einige Gemeinden seit der Jahrtausendwende gewachsen sind zum Teil sogar über 12,7 % wie Thusis oder über 7…

Weiter lesen

Neue Regionen: Fatale Fehlplanung bei der Gebietsreform Graubünden

By

Im Zuge der Gebietsreform Graubünden soll es neue Regionen geben. Egal, wie man zur Gebietsreform steht: Es fragt sich, warum ausgerechnet der Bezirk Imboden nicht…

Weiter lesen

Domleschg-Fotos

Kostenloser Infobrief

Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse ein und bestätigen Sie Ihre Anmeldung.


Domleschg-Kultur

Über / Redaktion