Domleschger Biogas? Es riecht nach langen Verlusten

10. Oktober 2012
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Schweizweit gibt es nur gut 180 Biomasse-Anlagen, die in Betrieb sind. Eine davon steht neu in Realta (Gemeinde Cazis).

Kürzlich war ein Tag der offenen Tür bei Biogas Realta, bei welcher sich die Betreiber der Anlage der Bevölkerung präsentierten (Domleschg24.ch berichtete).

Wie Domleschg24.ch recherchiert hat, steht das Bundesamt für Umwelt wegen der Warteliste unter massiven Druck und mußte wegen der bestehenden Verunsicherung Info-Broschüren erstellen lassen. Eine solche liegt der Redaktion vor (siehe Foto-Ausriß)

Wie Domleschg24.ch recherchiert hat, steht das Bundesamt für Umwelt wegen der Wartelisten unter massiven Druck und mußte wegen der bestehenden Verunsicherung Info-Broschüren erstellen lassen. Eine solche liegt der Redaktion vor (siehe Foto-Ausriß)

So strahlend bzw. gut-riechend, wie es ausschaut, ist es jedoch derweil nicht.

Denn wirtschaftlich arbeiten kann die Biogas-Anlage nur mit der sogenannten kostendeckenden Einspeisevergütung. Eine solche gibt es aber noch nicht, wie Domleschg24.ch erfahren hat.

Das bedeutet: Es werden herbe Verluste geschrieben. Und vermutlich auch: Es dürfte noch lange so bleiben.

Recherchen von Domleschg24.ch ergeben, was sonst nirgends im Zusammenhang mit der Realta Biogas AG zu lesen ist:

Gegenwärtig besteht eine massive Warteliste für Neuanmeldungen zur KEV, sodaß bereits von Makulatur hinsichtlich der kostendeckenden Einspeisevergütung  gesprochen wird.

Die Warteliste besteht im Übrigen schon viele Jahre lang. Denn die Fördergelder der kostendeckenden Einspeisevergütung sind nach Erzeugungsart beschränkt.

Der Anteil, der maximal für eine bestimmte Technologie bzw. die damit verbundene mögliche Förderleistung der Anlage ausgegeben wird, wird auch als sogenannter Deckel betitelt. Diese Begrenzung via Deckelung hat bei Solarstromanlagen zu einer Warteliste von über 26’000 bei der Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid angemeldeten Photovoltaikanlagen geführt, kann man auf Solarstrom24.ch nachlesen.

Auch bei Biomasse gibt es Wartelisten

Biomasse Schweiz äußert sich zu den Wartelisten wiefolgt (kursiv):

“Enttäuscht sind die Mitglieder über die konkreten Maßnahmen. Diese würden nicht ausreichen, den Stau bisher nicht-bewilligter Projekte zu beheben, die durch die Deckelung der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) und die komplexen Bewilligungs- und Einspracheverfahren entstanden sind.”

Biogas aus dem Domleschg? Im Moment sieht es hinsichtlich der Kostendeckung schlecht aus. Wer trägt die Verluste?

Biogas aus dem Domleschg? Im Moment sieht es hinsichtlich der Kostendeckung schlecht aus. Wer trägt die Verluste?

Jetzt fragt sich: Wenn es nur einen Einspeisevergütungsstau bei nicht-bewilligten Projekten gibt, warum erhält die Realta Biogas AG keine Einspeisevergütung? Oder sind die Ausführungen von Biomasse Schweiz nur schwammig formuliert und es gibt auch einen KEV-Stau bei bewilligten Projekten?

Jedoch auch, was der Verband “Biomasse Schweiz” sonst weiter äußert, klingt nicht gerade beruhigend (kursiv):

“Ein Blick auf die allgemeine KEV-Statistik der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid zeigt, daß überproportional viele Biomasse-Projekte zurückgezogen worden sind, die bereits eine KEV-Zusage erhielten. Insgesamt sind es heute 107 zurückgezogene Biomasse-Projekte. Swissgrid kennt die Gründe für die Rückzüge oft nicht, bestätigt aber, daß wegen längeren Bewilligungsverfahren die Fristen teilweise nicht eingehalten werden konnten.”

Weiter heißt es:

Biomasse-Projekte mit positivem KEV-Bescheid sind momentan 64 projektiert. 172 Biomasse-Projekte sind gegenwärtig auf der KEV-Warteliste. (Stand Mitte 2012)

Auch das klingt nicht gerade aufbauend.

Hintergrundwissen

Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ist ein schweizerisches Förderinstrument für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Mit der KEV werden Produzenten von Strom aus Wind-, Kleinwasserkraft, Biomasse, Photovoltaik oder Geothermie mit einem garantierten Vergütungstarif für den ins Netz eingespeisten Strom entschädigt.

Die Einspeisevergütung wird jedes Jahr anhand der Kosten einer Referenzanlage je nach Leistungsklasse und Technologie neu berechnet. Die Referenzanlage innerhalb einer Technologie entspricht der momentan effizientesten verfügbaren Technologie.

Betroffen von den exorbitanten Wartelisten sind übrigens auch andere alternative Energieformen wie etwa die Wasserkraft. So gehen natürlich die Kalkulationen nicht auf. Ein Bericht hierzu auf SchweizBlog.ch

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