Die Tiba, ein Instrument des Domleschg

Hätten Sie´s gewußt?

Es gibt ein Instrument, das wurde bzw. wird weltweit nur in der Schweiz und dort nur im Gebiet des Domleschg / Schams / Surselva gespielt.

Kinder in Feldis mit einer Tiba (Foto aufgenommen in den 20er-Jahren)

Kinder spielen in Feldis mit einer Tiba (Foto aufgenommen in den 20er-Jahren)

Es handelt sich um die sogenannte Tiba, ein Hirtenhorn.

Die Tiba wurde im Kanton Graubünden nur in der mittleren und unteren Surselva, im Domleschg und Schamsertal bis zum Schamserberg gespielt.

Das Schweizer Fernsehen behauptet sogar, daß die bei Fußballspielen berühmt-berüchtigte Vuvuzela eine Schweizer Erfindung sei. Zitat: “ Das an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika berühmt-berüchtigte Instrument hat Schweizer Wurzeln.“

Das Schweizer Instrument diente zur Verständigung mit den benachbarten Alpen, mit den Angehörigen im Dorf und auch zum Ein- und Austreiben des Viehs.

Früher gab es noch kein Mobiltelefon geschweige denn ein Mobilfunknetz. So diente die Tiba dazu, unten im Tal Botschaften ankommen zu lassen. Etwa waren bestimmte Tonfolgen dafür reserviert, um anzuzeigen, daß etwas passiert ist und Hilfe benötigt werde.

Zudem wurde die Tiba aber auch – etwa von Hirten – zum Zeitvertreib gespielt. Ein virtuoses Tiba-Spiel forderte den Kameraden auf der Nachbaralp heraus.

Nach den Tönen konnte man auf den Spieler schließen. Die Bedeutung der Töne war abgesprochen, denn: Für Hörer im Tal konnte nicht gesehen werden, von wem die Tiba-Töne ausgingen; so schloß man aufgrund der Spielweise oder vorher abgemachten Tonfolgen auf den Spieler.

Sechs lange und sechs kurze Töne waren zum Beipsiel ein Alarmsignal.

Mann mit Tiba in der Surselva

Mann mit Tiba in der Surselva

Eine Überlieferung berichtet vom Flimserstein, daß nach einem brutalen Überfall von Viehdieben der einzige noch Überlebende mit seinem Hirtenhorn den Dorfschreiber Gion Paul in Flims alarmierte.

Die Tiba unterscheidet sich vom Alphorn durch ihre Kürze und gerade ihre Form.
Ihr Ton ist wesentlich schärfer als beim Alphorn und auch zielgerichteter und somit bis zu einer Entfernung von acht Kilometern hörbar.

Mit dem Hirtenhorn kann man Naturtöne spielen. Die Anzahl der Tiba-Töne ist abhängig ist von der Länge des Hirtenhorns und freilich auch vom Können des Spielers. Kürzere Tibas sind etwa ein Meter lang, Grössere erreichen eine Länge von rund 1.70 Meter.
Blechtibas

Alte Tibas sind aus Holz. Die Holztibas bestanden aus Tannen- oder Holunderholz und wurden von den Hirten selber hergestellt. Sie wurden aus zwei exakt zusammengefügten Röhrenhälften gefügt, verdübelt und zusätzlich mit Ringen aus Horn, Holz oder Draht zusammengehalten.

Neuere Tibas aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind auch aus Blech: Mit dem Aufkommen von Blech in Küche und Haushalt wurden die Holztibas wie viele Haushaltsgegenstände durch solche aus Blech verdrängt.

Prädestiniertes Material für die neueren Hirtenhörner lieferten in den 1930er- und 40er-Jahren die leeren Speiseölkanister der großen Hotels.
Diese wurden zu Tibas geformt und anschließend zusammengelötet.

Besondere Liebhaberstücke aus Kupfer.

Einige kostbare Tibas wurden auch aus Kupfer hergestellt.

Die Tradition der Tiba-Herstellung wird von Marcel Baß in Andeer gepflegt. Er ist einer der letzten Hersteller dieser Instrumente.
Tel.: +41-(0)78-615 03 35

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