Bistum Chur: Claudia Kleis-Kümin geht – “Das Kreuz der CVP mit dem C”…

14. Oktober 2012
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Eine Nachricht zum Sonntag kommt aus dem Hauptort des Domleschg, aus Thusis:

Sie habe “unterschiedliche Auffassungen über Christ-sein” läßt sich Claudia Kleis-Kümlin von einer großen bündner “Monopolzeitung” (SF) hinsichtlich ihres sofortigen Rücktritts vom Amt zitieren.

Claudia Kleis-Kümlin (Bildmitte): "Vielleicht zu liberal"...

Claudia Kleis-Kümlin (Bildmitte): “Vielleicht zu liberal”…

Harte Worte. Ist also das Bistum Chur zuwenig christlich? Es dürfte wohl eher umgekehrt sein:

Das Kreuz der CVP mit dem C (Mark Balsiger) sorgt einmal mehr für Schlagzeilen. Es ist schließlich allgemein bekannt, daß es in der CVP in den letzten zehn Jahren einen massiven Wandel gegeben hat. Und daß die CVP heute weit linkere oder vornehmer formuliert – um die Worte von Frau Kleis-Kümin zu benützen – “liberalere” Standpunkte vertritt als noch vor 10 Jahren die SP.

Das lästige C

So gibt es heute – vor zehn Jahren noch völlig undenkbar – zahlreiche (!) CVP-Politiker und zwar namhafte, welche öffentlich fordern, man möge doch das lästige C aus dem Parteinamen möglichst umgehend streichen (siehe Beispiel-Berichte unten).

Dies Diskrepanz zum C hindert jedoch viele CVP-Politiker nicht, die weltlichen Vorzüge des C noch durch Annahme gut-dotierter, prestige-trächtiger und wahltaktisch sicher auch kluger Ämter zu genießen.

Wen nimmt es Wunder?

Kein Wunder also, wenn dies immer häufiger auch zu Dissonanzen führt. So auch im aktuellen Fall zwischen der Großrats-CVP-Politikerin und CVP-Gemeindepräsidentin von Thusis.

“Vielleicht war ich ihnen zu liberal” so Kleis-Kümlin selbstkritisch gegenüber der Südostschweiz. Gemäß dem Bistum Chur soll das Corpus Catholicum aber schon in diesem Monat eine neue Leitung haben.

Der letzte Eintrag auf der offiziellen Webpräsenz der CVP Thusis weist auf einem Anlaß hin, der vor fast einem Jahr war. (Bildschirmfoto: 14.X.2012)

Der letzte Eintrag auf der offiziellen Webpräsenz der CVP Thusis weist auf einem Anlaß hin, der vor fast einem Jahr war. Die Ortspartei ist kurz vor den Gemeinderatswahlen in Thusis im Internet also nicht aktuell präsent. (Bildschirmfoto: 14.X.2012)

Tiefere Probleme dahinter? Rumort es in der CVP Thusis?

In der Christlichen Volkspartei von Thusis scheint aber auch sonst nicht alles zum Besten zu stehen. Schon letzte Woche und vor einigen Tagen versuchte Domleschg24.ch mit der CVP Thusis Kontakt aufzunehmen, um Klarheit zu bekommen.

Allerdings erfolglos.

Zudem: Die Webseite der CVP Thusis ist seit fast einem Jahr nicht mehr aktualisiert worden. (siehe Bildschirmfoto links).

Doch damit nicht genug. Neben dem Rücktritt von Frau Claudio Kleis-Kümlin aus der Kirchenexekutive kurz vor den anstehenden Gemeinderatswahlen in Thusis gibt es einen weiteren Rücktritt.

Die Lokal-Politikerin Elisabeth Schnellmann, bisherige Gemeinderätin für die CVP Thusis und zuständig unter anderem für den Bereich Schule in der Gemeinde Thusis, habe “ihre Demission erklärt”, teilt die Gemeinde mit.

Zwei Rücktritte in der Ortspartei Thusis, die Webpräsenz der Ortspartei Thusis wird offenbar schon länger nicht bewirtschaftet von der zuständigen Person und Anfragen werden ebenfalls nicht beantwortet. Etwas viel auf einmal für bloßen Zufall.

Stoff für Richtungsdiskussionen zwischen linksliberal und weniger alternativ ausgerichteter CVP-Politik wäre in Thusis jedenfalls genug vorhanden.

Immerhin sorgte der unter starkem CVP-Einfluß stehende Hauptort des Domleschg vor nicht allzulanger Zeit schweizweit für Schlagzeilen als Kriminalitätshochburg. Für eine bündner Gemeinde und auch für eine bündner Stadt dürfte das in der Geschichte Graubündens in dieser Form jedenfalls einmalig sein.

Und eine gute Werbung für Ansiedlungen oder Zuzüger ist es sicherlich auch nicht.

«Das C wird zu stark mit dem Katholizismus und dem Papst verbunden», kritisiert die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Sie möchte deshalb das C im Parteinamen streichen. (Bildschirmfotoausriß: Aargauer Zeitung)

Zu christlich: «Das C wird zu stark mit dem Katholizismus und dem Papst verbunden», kritisiert die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Sie möchte deshalb das C im Parteinamen streichen. (Bildschirmfotoausriß: Aargauer Zeitung)

Der Buchstabe steht für christliche Werte. Es wird gestritten, ob die Betonung des hohen C noch zeitgemäß sei, berichtet auch die NZZ (Bildschirmfotoausriß)

Der Buchstabe steht für christliche Werte. Es wird gestritten, ob die Betonung des hohen C noch zeitgemäß sei, berichtet auch die NZZ (Bildschirmfotoausriß)

"Verschwindet der Name CVP aus der Schweizer Parteienlandschaft?": Diese Frage wirft ein namhfater CVP-Politiker im November letzten Jahres einmal mehr auf (Bildschirmfotoausriß: Aargauer Zeitung)

“Verschwindet der Name CVP aus der Schweizer Parteienlandschaft?”: Diese Frage wirft niemand geringerer als der Präsident der CVP Aargau (aus diesem Kanton kommt CVP-Bundesrätin Doris Leuthard) im November letzten Jahres einmal mehr auf (Bildschirmfotoausriß: Aargauer Zeitung)

"Wird das C gestrichen?" (Bildschirmfotoausriß)

“Wird das C gestrichen?” (Bildschirmfotoausriß Blick)

Was hat die Partei CVP noch mit dem zu tun, wofür das C steht bzw. mal stand? Dies frage auch Politologe Mark Balsiger (Bildschirmfotoausriß)

Was hat die Partei CVP noch mit dem zu tun, wofür das C steht bzw. mal stand? Dies frage auch Politologe Mark Balsiger (Bildschirmfotoausriß)

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